IG Metall Wiesbaden-Limburg
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23.10.2018, 06:10 Uhr

Zwischen Arbeitskampf und Gefängnis

  • 11.06.2018
  • Aktuelles

Am 30.5.2018 besuchten die Geschäftsstelle Wiesbaden-Limburg drei Gewerkschafter aus dem Iran und ihre Begleiter. Sie sind derzeit in ganz Deutschland unterwegs, um ihre Geschichte zu erzählen und ihren Kolleginnen und Kollegen zu helfen.

Foto: IG Metall

Denn zahlreiche Gewerkschafter von unabhängigen Gewerkschaften sitzen momentan in iranischen Gefängnissen. Öffentlicher Protest und internationale Solidaritätsbekundungen sind ihre derzeit größte Chance, wieder in die Freiheit entlassen zu werden und damit körperlicher wie seelischer Folter zu entgehen.

„Uns ist die internationale Solidarität besonders wichtig. So lange es den Kapitalismus gibt, so lange muss es auch uns geben“, mit diesen Worten eröffnete Reza Shahabi von der Busfahrer-Gewerkschaft aus Teheran (Vahed) seine kurze Rede. Mit ihm waren Loghman Veisi von der Lehrer-Gewerkschaft und Davood Razavi von der Busfahrer-Gewerkschaft gekommen. Alle drei berichten von den täglichen Anfeindungen und Schikanen, denen sie allein aufgrund ihrer Tätigkeiten für die unabhängige Gewerkschaftsbewegung ausgesetzt sind, obwohl auch die iranische Verfassung ihre Arbeit schützt.

„Fast jeder von uns saß schon mal im Gefängnis und wird es wohl wieder müssen in der Zukunft“ erzählen sie gefasst, „Aber wir werden trotzdem weitermachen und auf der ganzen Welt nach Unterstützung suchen“. Viele der Kollegen, darunter auch Reza Shahabi, wurden im Gefängnis gefoltert.

Offenbar werden die Gefängnisstrafen kürzer und die Bedingungen besser, wenn internationale Solidaritätsbekundungen eintreffen. Neben den unabhängigen Gewerkschaften gibt es die vom iranischen Staat bezahlten und ausgestatteten islamischen Gewerkschaften. „Von denen hat noch nie irgendeiner irgendetwas für die Kolleginnen und Kollegen getan oder irgendwelche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen gefordert“, sagt Shahabi. Bei ihrem Besuch der ILO in Genf (29.5.) konnten die o. g. Kollegen erreichen, dass ihre Gewerkschaften anerkannt werden und nicht die vom Regime installierten Pseudogewerkschaften. Reza Shahabi und seine Kolleginnen und Kollegen sind überzeugt, dass nur eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung die Interessen der Arbeiterinnen und Arbeiter vertreten kann.

Und das sind wir auch! Auch die Geschäftsstelle Wiesbaden-Limburg bekundet hiermit ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen im Iran. Wir fordern hiermit die Freilassung sämtlicher GewerkschafterInnen unabhängiger Gewerkschaften im Iran und die Rücknahme sämtlicher Suspendierungen.

Wir stehen an eurer Seite!

Ebrahim Madadi
Reza Shahabi
Davood Rezvani
Hassan Saidi
Nasser Moharramzadeh
Hassan Karimi-Sabzvar
Frahnaz Shiri
Rassool, Badaghi
Nabiollah, Bastan-Farsani
Hashem, Khastar
Aliakbar, Baghani
Aliasghar, Zati
Abdollah, Momeni
Mohammad, Davari
Ismail, Abdi
Mohammad, Beheshti-Langroodi
Alireza, Hashemi
Ali, Poor-Soleyman
Masood, Kordpoor
Mokhtar, Assadi
Mohsen, Omrani
Mohammad, Habibi, der - da er sich für die Interessen seiner KollegInnen eingesetzt hatte – erneut verhaftet wurde, bei der Verhaftung schwerste Misshandlungen erlitten hat, und dessen Schicksal im Gefängnis sehr Besorgnis erregend ist!

Im Jahre 2009 wurde der iranische Lehrer Farzad, Kamangar verhaftet und kurz nach der Verhaftung im Gefängnis hingerichtet.


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